Sprache

Eine Einführung in die Deutsche Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdensprache (abgekürzt: DGS) ist eine visuelle Sprache, welche sich in der Gehörlosengemeinschaft Deutschlands entwickelt hat und damit vorwiegend in den Schulen, Internaten, Familien und Freundeskreisen tauber Menschen.

DGS wird nur in Deutschland gebärdet, also auch nicht in anderen deutschsprachigen Ländern. Es gibt sogar Dialekte. Diese unterscheiden sich z.B. in den Gebärden für Farben oder Wochentage. Auf dieser Website lernt ihr den Berliner Dialekt kennen.
DGS ist damit also nicht international. In Amerika gebärdet man z.B. American Sign Language (abgekürzt: ASL). ASL ähnelt interessanterweise auf Grund seiner Geschichte eher der französischen als der britischen Gebärdensprache.
Die einzelnen Gebärdensprachen unterscheiden sich u.a. in den Handformen. So können z.B. verschiedene Akzente entstehen, wenn Handformen aus der muttersprachlichen Gebärdensprache übernommen werden.

Es gibt auch eine internationale Gebärdensprache. Dabei handelt es sich allerdings um ein künstlich geschaffenes System. Einige ASL-Gebärden finden sich hier wieder.

Gebärdensprachen sind eigenständige Sprachen, die Lautsprachen in Komplexität und Ausdrucksfähigkeit in nichts nachstehen. DGS ist damit kein gebärdetes Deutsch. Sie hat ein eigenes Lexikon und eine eigene Grammatik.
Gebärdetes Deutsch, welches der Grammatik des Deutschen folgt, wird als Lautsprachbegleitendes Gebärden (abgekürzt: LBG) oder Lautsprachunterstützendes Gebärden (abgekürzt: LUG) bezeichnet, je nachdem wieviel tatsächlich parallel gebärdet wird.

Gebärdensprachen sind räumlich und simultan. Eine Gebärde dauert im Schnitt etwas länger (2,37 s) als das Sprechen eines Wortes (1,27 s), aber durch die Nutzung des dreidimensionalen Raumes ist es möglich mehrere Bedeutungen gleichzeitig zu übermitteln. Auf diese Weise sind Gebärdensprachen gegenüber Lautsprachen sogar schneller.

Im Folgenden ein paar Beispiele, bei denen nur eine Gebärde notwendig ist:

Aufmerksamkeit auf sich lenken

  • Person befindet sich in der Nähe:
    • auf die Schulter tippen (2–3 mal) auf Bein tippen, falls Schulter zu weit weg (z. B. wenn man sich gegenübersitzt)
    • auf Kopf tippen, falls nicht anders möglich (z. B. beim Klettern)
  • Person ist weiter weg:
    • winkende Handbewegung
    • auf den Fußboden stampfen (falls Fußboden aus Holz)
    • auf den Tisch klopfen
    • andere Person bitten, jemanden auf sich aufmerksam zu machen
    • beim Betreten eines Raumes: Lichtsignal (Licht an- und ausschalten)
seit etwa 300 v. Chr: Lösen des Zungenbändchens zur Beseitigung der „Stummheit“; Fehlinterpretation Aristoteles’ führt dazu, dass Gehörlose für bildungsunfähig gehalten werden und dass gar nicht erst versucht wird, sie zu unterrichten